Das seltsame Eigenleben der Dinge nach dem Schweigen im Walde. Nachher ist man immer schlauer. Und von Sexgöttern und fliegenden Feuerzeugen.
Hier ist kein Platz für Kleingeister – dafür ist es einfach zu groß!
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Es ist April, kurz vor Ostern. Und ich bin mal wieder im Freizeitstress. Vier verschiedene Orte an denen ich sein sollte und natürlich am besten gleichzeitig. Da ich mich nicht teilen kann, teile ich also meine Zeit zwischen den Orten auf. Was erklärt, warum ich ‚mal eben’ für vier Tage nach Salzburg fahre, obwohl ich von dort gerade mal drei Tage weg bin. Nicht erklären tut es den vermeintlich intelligenten Einfall, doch einmal mit dem Nachtzug zu fahren. Immerhin, die deutsche Bahn behauptet, man würde quasi im Bett, im Schlaf ganz nebenbei durch Deutschland reisen können: ‚Ausgeschlafene reisen nachts’. A-ha. Wenn das wahr wäre, würde es enorm viele meiner Probleme lösen.
Ich mache mich also an die Reiseplanung. Die ist nicht nur sehr simple, sondern es stellt sich heraus, dass es eine ‚ideale Verbindung’ für mich gibt ( schon an dieser Stelle hätte ich eigentlich extrem misstrauisch werden müssen, immerhin sprechen wir hier von der deutschen Bahn… ): Start um 23Uhr am Hauptbahnhof Hamburg, Ankunft in München um 7Uhr und direkter Anschlusszug nach Salzburg. Sogar ein ICE, mir würde es also erspart bleiben, an jeder bayrischen Milchkanne stehen zu bleiben.
Aber es wäre keine Bahnreise, wenn die Schwierigkeiten nicht schon am Horizont lauern würden. Man kann den Nachtzug nämlich nicht im Internet buchen, jedenfalls nicht, wenn man wie ich zu einem besonderen Tarif fährt. Na toll. Also auf zum Reisebüro. Das ist natürlich brechend voll, klar, Ostern steht an und alle müssen noch ganz dringend irgendetwas buchen. Genau wie ich. Gut, dann warte ich eben. Und warte. Und warte noch ein bißchen länger. Dann endlich Licht am Ende des Tunnels: Ein netter junger Mann bittet mich zu sich an den Schalter. Und hat natürlich komplett nicht die geringste Ahnung, wie er meinen Reisewunsch jetzt buchen soll. Aber das Problem kenne ich schon, rufe mich also zu Geduld und erkläre ihm sein EDV-System. Nett und freundlich, ich bin ja kein Unmensch. Es wäre auch wirklich alles ganz friedlich gelaufen, hätte er nicht bei der Eingabe meiner Daten angefangen, persönlich zu werden.
‚Sagen sie, sind das wirklich sie auf dem Ausweis? Da haben sie aber keine Brille, blonde Haare und so richtig wie 22 sehen sie auch nicht aus…!’
‚Hm, meines Wissens nach bin das sehr wohl ich: Die Brille ist neu, Haare kann man ganz einfach Färben und was das Alter angeht, ich wusste ja schon immer, dass zuviel Kaffee und Zigaretten alt machen’
‚Oh, Sie sind aber witzig (lacht nervös) – fahren sie öfter nach Salzburg? Das ist da mit Mozart, oder?’
‚Ja.’
‚Muss ja schön sein da, so mit den Alpen.’
‚Ja’
‚Und gibt es da nicht so leckere Torte?’
‚Ja.
(So langsam wird mir übrigens klar, warum die Schlange hinter mir so lang ist..)
Aber sagen sie, müssten sie nicht wissen, ob ich oben oder unten schlafen möchte? Und das genaue Reisedatum?’
‚Oh ja, hätte ich jetzt fast vergessen! Dann mache ich das am besten jetzt Mal.’
So weit, so gut. Sobald ich meine Reservierung in den Händen halte, renne ich aus dem Reisecenter. Ich bin ja eigentlich ein Optimist und beschließe demnach, das nicht als Omen für die Reise zu nehmen.
Pünktlich am Mittwoch um 22.50Uhr finde ich mich schließlich, bewaffnet mit Zahnbürste, Jogginghose und muscheligem Pulli, am Gleis 14 Hamburg-Hauptbahnhof ein. Nur um festzustellen, dass es eine Gleisänderung gab, der Stellplan hinfällig ist und ich nicht mehr die geringste Ahnung habe, in welchem Abschnitt mein Wagon ankommt. Ach ja. Mehr als ein Schulterzucken entlockt mir diese Nachricht allerdings nicht, man kennt das ja. Schließlich rollt der Zug – pardon, die ‚City Night Line’ – mit nur zehn Minuten Verspätung ein. Nun denn, denke ich mir, auf ins Unbekannte. Womit ich den Zug meine. Nicht die Strecke. Die kann ich auswendig. Ebenso wie die Zugansagen. Und die Anschlussverbindungen an den jeweiligen Zwischenstopps. Aber genug davon. Ein kurzer Abriss der Ereignisse:
Hamburg-Hauptbahnhof:
Jetzt weiß ich, warum sie die Liegewagen als ‚Kajüteliegewagen’ bezeichnen. ‚Liegewagen’ wäre nämlich eine Übertreibung! Wäre da ein Schild ‚Nicht für Personen über 1,60m geeignet’, ich wäre nicht im geringsten überrascht! Immerhin ist das Kopfkissen vernünftig und ich finde einen Platz um meine Reisetasche unterzubringen. Trotz Bier darin. Immerhin.
Hamburg-Harburg:
Wie jetzt, der hält auch in Hamburg-Harburg? Praktisch, hätte ich das vorher gewusst, ich hätte mir die Fahrt zum Hauptbahnhof erspart.
Ca. eine Stunde später, in der ‚Nähe’ von Hannover:
Die Schaffnerin kommt: ‚Die Fahrkarten bi – oh, schlafen sie etwa schon?’. Nein, ich tue nur so? Aber tue ich wirklich, denn an Schlaf ist nicht zu denken. Es ist nicht nur wahnsinnig laut ( und das nicht, weil irgendwer im Wagon deutlich schnarcht ), sondern schlicht und einfach zu heiß. ‚Das wird gleich kälter’ beruhigt mich die freundliche Schaffnerin.
Hannover:
Aus der tropischen Hitze ist arktische Kälte geworden. Klaue meinem nicht anwesenden Nachbarn die Decke. Wenn da jetzt noch jemand zusteigt, hab ich ein Problem.
Irgendwo nachts zwischen Hannover und Augsburg (ja, da hält der Zug auch…):
Gut, dann eben nicht!Anscheinend bin ich nicht für Nachtzüge geschaffen. Das mit dem Einschlafen will so gar nicht funktionieren (nicht mal nach 100Seiten von Fontanes Effi Briest!). Ich resigniere, mache mir das Hörbuch an, dass ich sicherheitshalber eingesteckt habe und richte mich auf eine schlaflose Nacht ein.
30 Minuten vor München:
Rums! ‚Guten Morgen, wir nähern uns der Endstation!’ – Die Schmerzen in meinem Ohr sind das erste, was ich nach diesem Satz registriere. Bin ich also doch eingeschlafen! Viel gebracht hat es allerdings nicht, ich bin müde, kalt und völlig zerknautscht. Jetzt erstmal Zähneputzen.
München:
Während ich aus dem Zug stolpere, schaue ich mich verstohlen nach rechts und links um. So wirklich ausgeschlafen wirkt wirklich keiner meiner Mitreisenden. Wie in Trance schleppen sie sich über den Bahnhof. Es liegt also nicht an mir! Jetzt schnell Frühstück holen und dann nichts wie in den Zug nach Salzburg – der wartet schon am gegenüberliegenden Gleis, wenigstens ein kleiner Lichtblick an diesem Morgen. Völlig leer ist er auch, anscheinend bin ich einige der ganz wenigen Verrückten, die um diese Zeit reisen. Aber jetzt verstehe ich den Werbeslogan der Bahn ‚Ausgeschlafene reisen nachts’: Wenn man vorher ausgeschlafen ist, dann kann man wirklich prima den Nachtzug nehmen – und vorrausgesetzt, man kann am Tag danach ausschlafen. So eine wirklich gute Alternative ist es, zumindest für mich, nicht. Das einzig positive daran, das ich finden kann, ist die frühmorgendliche Fahrt durch Bayern. Ein wirklich schöner Anblick. Wenn mir nicht dauernd die Augen vor Müdigkeit zufallen würden!
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Wie schnell die Zeit doch immer vergeht – ehe man sich versieht, sind vier Monate vergangen und man ist auf dem Weg zum letzten Fechttraining des Semesters. Wohlbemerkt bin ich alleine auf dem Weg – meine lieben Kolleginnen sind entweder krank, unmotiviert oder allgemein verhindert. Also gehe ich alleine. Immerhin ist es die letzte Gelegenheit und wir sind ja auch alle keine 13 mehr und fürchten uns vor einer Horde Menschen mit Degen in der Hand, nicht wahr? Gut, vielleicht schon, aber nur weil dem so ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man das auch zugeben würde. Während ich also von roter Ampel zu roter Ampel rolle, kann ich mich trotzdem nicht davon abzuhalten, leise Stoßgebete zu murmeln, dass bitte, bitte noch andere Anfänger dort sind.
Tatsächlich sind wir heute auch viele Teilnehmer, die ich zum Teil zwar noch nie gesehen habe, aber das könnte auch an meinem miesen Gedächtnis liegen. Das noch nicht so mies ist, wie das von unserem Trainer. Nach nunmehr ( nur, um das nochmal zu betonen! ) 4 Monaten, begrüßt er mich fröhlich mit ‚Hallo Sophie’ und stellt mir genau dieselbe Frage, wie bereits die letzten drei Male. Ich finde das nicht sonderlich fair – denn immer, wenn es um irgendwelche unangenehmen Dinge geht (zB die Frage, wer denn jetzt beim Fangen den Fänger mimt), fällt mein Name ihm doch wieder ein! Kann man aber anscheinend auch nichts gegen machen, ich korrigiere ihn freundlich und das auch knappe fünf Minuten später dann gleich nochmal.
Hatte ich zunächst erwartet, heute wird es besonders lustig, weil es ja das letzte Mal ist, stelle ich schnell fest, dass ich mich geirrt habe: Wir spielen kein Fangen! Und auch kein Abwerfen, Seilspringen oder Krabbelfußball! Stattdessen müssen wir uns in Dreierreihen aufstellen und auf verschiedene Arten die Fechtbahnen runterlaufen. Gut, ich gebe ja zu, normaler Weise kann ich mich für die Aufwärmspiele wenig begeistern und normaler Weise tue ich mir dabei auf irgendeine (selbstverschuldete…) Art weh, aber so ganz ohne die Spiele ist es einfach nicht dasselbe. Die Bahn runterlaufen macht nämlich gar keinen Spaß und da unser Herr und Meister lauter komische Verdrehungen erfindet, die man währenddessen machen kann, komme ich mir anschließend vor wie einer dieser Makramee-Knoten. Zwischenzeitlich lernen wir dann gleich auch noch etwas ganz neues – einen Flash. Einen was? Flash. Ach so. Okay. Die einzige Aktion, bei der der hintere Fuß vorne sein darf. Uhm, okay, ich versuche das dann mal. Klappt auch gar nicht so schlecht, nur dumm, dass ich anschließend in den Freigefechten ständig den falschen Fuß vorne habe – mein Kopf kann das noch nicht ganz sortieren, wann welcher Fuß wo stehen darf. Aber gut, das bringt wenigstens etwas Abwechslung hinein ( und mir jede Menge Gegentreffer, aber das ist ja nicht außergewöhnlich ).
In den Freigefechten klappt es dieses Mal auch ganz gut, was allerdings nicht an einem Lernfortschritt meinerseits liegt, sondern vielmehr daran, dass mein Degen kaputt ist. Beim geringsten Widerstand löst er einen Treffer aus. Dumm nur, dass meine Gegner das ganz schnell mitbekommen und ich ihn reparieren lassen muss. Zum Glück ist der Herr und Meister in der Nähe und übernimmt das fachmännisch. Es wäre wohl zu einfach gewesen, den Degen schnell auszuwechseln. Also stehe ich angekabelt in der Gegend herum ( Nein, das ist gar nicht ungemütlich in dem verschwitzten Zeug ) und beobachte, wie unser Herr und Meister sein technisches Verständnis demonstriert. Es wäre wohl einfach zu profan gewesen, den Degen einmal mit Schwung auf den Boden zu schlagen und ihn damit wieder zum funktionieren zu bringen. Wie gut, dass es Männer gibt!
Zehn Minuten später muss ich den Degen dann aber doch wechseln, weil er schon wieder kaputt ist. Nicht, dass es mich stören würde, mit energischem Wedeln in der Luft bereits einen Treffer auszulösen, aber irgendwie finden meine Gegner das gar nicht witzig – warum nur?
Aber auch mit funktionierendem Degen schlage ich mich gar nicht schlecht, meine Mitfechter haben sich an meinen neuen Enthusiasmus noch nicht gewöhnt. Außer einem ca. 12jährigen, der mich dann doch nach allen Regeln der Kunst ersticht. Ich nehme es mit Humor, immerhin zieren meinen Arm jetzt mehrere leuchtend blaue Beweise, dass ich sportlich bin. Außerdem habe ich dann etwas, an dem ich nächstes Semester weiterarbeiten kann – und wer weiß, vielleicht lerne ich in der Zwischenzeit ein Mindestmaß an Körperkoordination? Man soll die Hoffnung ja bekanntlich nie aufgeben!
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Es ist ja bekanntlich eines der Naturgesetze, dass man umso später zu einem Termin kommt, je näher man daran wohnt – denn ‚das ist ja gleich um die Ecke’. Und, obwohl wir dieses Gesetz aus leidiger Erfahrung kennen, fallen wir doch wieder darauf herein. 15min vor Beginn fällt uns auf, dass wir uns langsam mal auf den Weg zum Fechtzentrum machen sollten. Da wir nicht gänzlich unschlau sind, wissen wir natürlich schon, dass es mal wieder eng wird, aber ‚mit der grünen Ampelwelle geht sich das noch locker aus!’. Jaja. Nach der grünen Welle halten wir aber vergeblich Ausschau – wir erwischen stattdessen die rote. Jede einzelne Ampel leuchtet fröhlich hellrot, sobald wir in Sichtweise kommen. Ob das an uns liegt? Egal, wir kommen jedenfalls zu spät. Mal wieder, ich weiß.
Macht aber auch nichts, die wenigen Leute, die dort sind, sind noch dabei, ihr Turnier nächstes Wochenende zu besprechen. Wir schleichen uns also unauffällig rein und tun einfach mal so, als hätten wir die ganze Zeit schon gewartet, wann es denn endlich losgeht.
Das geht es dann auch relativ schnell. Da unser üblicher Herr und Meister nicht da ist, haben wir wieder unseren netten Ersatztrainer, der uns zum Aufwärmen Runden laufen lässt. Bevor ich mich darüber aber zu sehr freuen kann, ruft er vergnügt in die Menge: ‚Und dann spielen wir ein Spiel!’. Bin versucht zu protestieren, dass mir schon wirklich, wirklich warm genug ist, aber er schaut so motiviert, dass ich das lieber lasse. Wenige Minuten später denke ich mir dann aber ‚hätte ich’s mal getan’, denn er eröffnet uns mit einem strahlenden Lächeln, dass wir Krabbelfußball spielen. Krabbel-was? Wie Fußball, nur auf dem Rücken auf allen Vieren. Hilfe! Ich kann ja noch nicht mal regulären Fußball spielen!
Im Endeffekt stellt es sich dann aber als Riesenspaß heraus und als das perfekte Spiel für mich: Der Ball ist riesengroß, sodass ich ihn tatsächlich auch treffe und weich ( sehr vorteilhaft, wenn man immer diejenige ist, der die Bälle gerne mal ins Gesicht fliegen..), niemand wundert sich, warum ich so langsam bin ( in der Position ist Tempo nämlich ziemlich bis ganz unmöglich ) und überhaupt liegen wir eigentlich die meiste Zeit lachend am Boden. Gut, wirklich viele Tore bekommen wir nicht hin, dafür aber ganz viele Muskeln überall, behauptet zumindest unser Trainer, der aus dem Lachen auch nicht mehr rauskommt. Leider vergisst er darüber aber nicht seinen ursprünglichen Trainingsplan und scheut uns los zur Beinarbeit.
Während ich noch versuche, mich zu erinnern, wie das ging, sind wir auch schon mittendrin. Und vorwärts und rückwärts und Ausfall und schnell und langsam und ich schwöre, ich werde nie wieder so lange Pause machen wie jetzt über die Ferien – und wenn ich zuhause heimlich auf dem Rasen üben muss! Während ich noch überlege, wie ich den Knoten in meinen Beinen wieder löse, hopst unser Trainer vor uns und erklärt die nächste Übung. Theoretisch ja eine ganz einfache Sache: Wenn er wegläuft, laufen wir hinterher, wenn er auf uns zuläuft, laufen wir weg und wenn er den Arm fall lässt, machen wir einen Ausfall. Theoretisch. Die Praxis sieht dann ein bißchen anders aus, ungefähr so, dass er uns anschaut, anfängt zu lachen und tröstend sagt ‚versucht’s einfach so gut es eben geht’. Machen wir dann auch ganz artig, zwar mit (viel) mehr Begeisterung als Können (sehr viel mehr), aber es ist trotzdem lustig und beim dritten Versuch klappt es annähernd. Anscheinend schauen wir aber alle so geschafft aus, dass er uns anschließend fragt, ob es uns nicht zu viel war. Aber obwohl wir wahrscheinlich alle am liebsten laut ‚Ja!’ schreien würden, winken wir ganz lässig ab. Zwar mit letzter Kraft, aber man hat ja seinen Stolz..
Dann ziehen wir uns um und machen uns (nachdem ich ersteinmal eine zu kleine Hose angezogen habe und mich umziehen musste, den falschen Helm ausgetauscht und die Kabel sortiert habe) ans Freifechten. Zu meiner Überraschung bin ich heute ausnahmsweise mal nicht diejenige, die niedergestochen wird, sondern mache mich ganz passabel. Ich setze nämlich auf die Lawinen-Technik. Wie das geht? Einfach verdrängen, dass man nicht die geringste Ahnung hat, was man da eigentlich tut und voller Überzeugung losstürmen, dann sind die anderen nämlich so verdutzt, dass sie geschockt fast regungslos stehenbleiben und man sie erstechen kann. Gut, das hat auch einen klitzekleinen Haken, nämlich wenn sie sich doch wehren – dann läuft man äußerst schwungvoll in den gegnerischen Degen und das ist nicht so zu empfehlen.
Nach vier Gefechten beenden wir den Abend dann müde, aber fröhlich. Trotz der jetzt schon schmerzenden Muskeln bleiben wir aber noch auf ein Bier und unterhalten uns vergnügt eine Weile, bevor wir nach Hause zurückfahren (und dort nach dem Duschen sofort schlafen gehen, weil nämlich keiner mehr Kraft hat zum Essen / Lesen / Fernsehen
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Die Pistole ist keine Waffe, sondern eine Zumutung. Ein Kampf auf Leben und Tod muss von Angesicht zu Angesicht ausgetragen werden. Nur infame Wegelagerer töten aus der Ferne. Mit der blanken Waffe ist eine Ethik verbunden, die es für keine andere Waffenhaltung gibt, ja, ich würde sogar sagen, eine Geisteshaltung. Das Fechten ist die Geisteshaltung der Kavaliere.
- Arturo Pérez-Reverte ‘Der Fechtmeister’
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Es ist vielmehr dein Lachen, wenn ich mal wieder auf einer gerade Fläche stolpere. Das Stirnrunzeln, mit dem du die blauen Flecken auf meinem Körper deswegen zählst. Die Art, wie du nachts im Halbschlaf meine Decke zurechtziehst. Die beiläufige Bewegung, mit der du mir morgens die Kaffekanne zuschiebst. Ohne hinzusehen. Deine Angewohnheit, die Dusche abzustellen, während du dich einseifst. Und auch, dass es dir völlig egal ist, das ich dann schimpfe, weil mir dabei kalt wird.
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(Um vorweg mal alle zu beruhigen: Der Titel soll auf einen Trainerwechsel beim Fechten hindeuten, nicht auf die Tatsache, dass ich nach einer Verletzung heute extensive Gesichtschirugie benötige..)
Nun gut, nachdem ich wochenlang sehnsüchtig darauf gewartet habe, ist es endlich soweit: Schnee in Salzburg! Die Welt schaut aus, wie mit Puderzucker bestäubt und ich bin glücklich. Die anfängliche Begeisterung ist jedoch schnell dahin, als wir uns auf den Weg zum wöchentlichen Fechttraining machen. Bah, das Zeug ist ja nass! Binnen Sekunden sind meine Füße durchweicht und ich ertappe mich bei dem Gedanken ‚Hätte ich doch auf meine Mutter gehört! (Und ordentliche Winterschuhe gekauft). Habe ich aber nicht, und so kommen wir dreißig Minuten und zehn halb erfrorene Zehen weiter an der Fechthalle an. Da unser regulärer Herr und Meister irgendwo in der Weltgeschichte herumflattert, haben wir heute eine Vertretung. Neben ihrem Talent zur Vertretung scheint diese Person zunächst aber auch das Talent zur Unischtbarkeit zu haben und wir warten unschlüssig in der Halle.
Schließlich findet sich aber ein junger Mann, der sich als unser Trainer vorstellt und mit charmantem Lächeln Springseile verteilt. Ich bin verblüfft, wie ähnlich er in seiner Art unserem üblichen Herr und Meister ist (und das nicht nur, weil er so fröhlich beim Verteilen von Folterinstrumenten lächeln kann!) – gibt es ein Fechtlehrer-Gen?
Gut, da kann ich just in dem Moment aber nicht darüber nachdenken, denn wir springen Seil. Ach ja. Zunächst alles ganz harmlos, wir dürfen springen wie wir möchten. In meinem Fall bedeutet das vorwärts, rückwärts und abwechselnd auf einem Bein. Solange mir niemand vorgibt, wie ich springen soll, geht das auch eigentlich ganz gut, denn ich kann immer das zweite Bein unauffällig hinzunehmen, wenn ich mal wieder von dem Einen kippe, auf dem ich eigentlich zu springen versuche. Wobei ich mich frage, was am Seilspringen so anstrengend ist, dass ich nach etwa 5 Minuten keuche wie ein Nilpferd nach dem Sprinten. Uff.
Ebenfalls eine verblüffende Ähnlichkeit zu unserem anderen Trainer: Das Einzelspringen ist noch nicht das Ende vom Lied. Schlimmer geht eben immer. Unauffällig hat er einige kurze Seile zu einem langen verknotet und fordert uns zu einer Reise in die frühe Schulzeit auf. Durchlaufen, Reinhüpfen, mehrmals Hüpfen und so weiter. Ich bin ernsthaft versucht, den alten Kinderreim ‚Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden, wie viele Kinder… und so weiter’ aufzusagen, lasse es dann aber lieber, ich muss mich nämlich darauf konzentrieren, dass mir das Seil nicht um die Ohren fliegt. Und damit uns auch ja nicht langweilig wird, kommt dann gleich noch ein zweites dazu und es wird wirklich konfus. Denn wie soll man da durchlaufen ohne in die Seile zu laufen oder sich eines der beiden um die Ohren zu schlagen?! Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: Obwohl wir alle an der Durchführung verzweifeln, gibt es viel Gelächter und interessante Variationen der ‚einfach mal durchlaufen’-Technik, sodass es eines der lustigsten Aufwärmspiele wird, die wir bisher gespielt haben.
Anschließend steht Dehnen auf dem Programm. Unser Ersatztrainer nimmt es locker und wir bekommen sogar Musik dazu. Dann geht es motiviert in die Beinarbeit. Also, zumindest der Herr und Meister ist motiviert – wir sind eher skeptisch. Zunächst einmal die üblichen Schritte und Ausfälle. Wir wechseln dann heute zur Abwechslung einmal die Seite, was in meinem Fall bedeutet, ich drehe auf die linke Seite. Stelle verblüfft fest, dass ich so viel bessere Fechtschritte machen kann. Na prima, das passt ganz super, dumm nur, dass ich den Degen mit links nicht halten kann. Einer dieser Momente, in denen man sich dann doch fragt, ob manche der Medikamente, die man als Kind bekommen hat, wirklich unschädlich waren?
Anschließend kommt der Fechtwalzer. Der was? Genau, der Fechtwalzer. A-ha. Zum Glück erklärt unser Ersatztrainer das dann nochmal. So etwas mit Drehen. Ach ja, genau. Soso. Wie drehen? Netter Weise erklärt er uns auch das, schade nur, dass wir aus dem System nicht ganz schlau werden. Andererseits, ich kann ja nicht mal den normalen Walzer, von daher hält sich meine Überraschung darüber in Grenzen. Immerhin hat es komödiantischen Wert, was wir da fabrizieren und unser Ersatztrainer nimmt unsere Schwierigkeiten mit Humor.
Nachdem wir den Walzer (oder so ähnlich) beendet haben, geht es ans Freifechten. Das fällt relativ unspektakulär aus heute, zum einen sind wir wenig Trainierende, weswegen wir viel Platz haben und meine Mitfechterin ist vorsichtig, um mich nicht wieder so arg zuzurichten wie beim letzten Mal. Zudem konzentrieren wir uns ( ja, wirklich! ) darauf, einmal langsam zu kämpfen und die Dinge auszuprobieren, die unser Herr und Meister uns beizubringen versucht hat.
Das Highlight des Abends kommt dann zum Schluss – unser Ersatztrainer duelliert sich mit einem Fechtkollegen. Ich würde das ja wirklich gerne in Worte fassen, aber: Wow. Er springt und sticht und hopst und ich kann es nicht beschreiben, aber es ist genial anzusehen. Da macht allein schon das Zusehen Spaß. Sein Gegner möchte ich allerdings nicht sein, wirklich nicht!
Das wirklich lustige Training schließen wir dann in netter Runde bei einem Bier ab, ich liefere mir noch eine Schneeballschlacht mit einer Freundin vor der Halle und dann heißt es auch schon ‚Alles Gute, fröhliche Weihnachen und bis nächstes Jahr’!
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Vielleicht lag es an dem Glühwein – an dem, den ich nicht getrunken habe. Bevor wir heute zum Fechten aufbrechen, treffen wir uns nämlich ersteinmal auf dem Weihnachtsmarkt. Vernünftig wie ich nunmal (manchmal..) bin, bleibe ich aber beim Kinderpunsch. Die Kombination Degen + Ich ist auch ohne Alkohol schon brisant genug. Es ist dunkel, kalt und das nasse Zeug, was vom Himmel fällt, kann nicht mal ich mir als Schnee schönreden. Wir kommen also watschnass und durchgefroren beim Training an. Zum Glück gibt es aber jede Menge unglaublich wichtige administrative Dinge zu klären, sodass mir Zeit bleibt, meine tiefgefrorenen Zehen wiederzubeleben.
Dann geht es auch schon rein ins Vergnügen. Heute keine Bälle und kein Fangen, wir laufen im Kreis herum. Bevor ich mich allerdings über dieses verhältnismäßig ‚einfache’ Aufwärmen freuen kann, wird es auch schon chaotisch. ‚Wenn ich klatsche, wechselt ihr die Richtung’. Hmm, denke ich mir, das kann ich ja vielleicht sogar umsetzen. Aber: Ich habe mich mal wieder zu früh gefreut. ‚Wenn ich ‚Hopp’ rufe, springt ihr in die Luft’. Gut, auch das ist ja noch zu bewältigen, auch wenn ich die Frau neben mir fast umspringe. Dann kommt aber ‚Hepp’ dazu. Soweit ich das mitbekommen, war das das Kommando, rückwärts zu laufen. Anfangs geht das auch noch, ich schaue einfach, was die Leute um mich herum tun und imitiere sie. Aber unser Herr und Meister wäre nicht unser Herr und Meister, wenn er es dabei belassen würde. Auf einmal hagelt es Klatscher, ‚Hepp’s und ‚Hopp’s, bis keiner mehr in dieselbe Richtung läuft, geschweige denn schaut. Wir sind ein riesiges lachendes Durcheinander, ziemlich außer Atem und morgen haben wir Bauchmuskelkater vom Lachen.
Es folgt die altbekannte (und altgefürchtete) Beinarbeit. Da wir heute relativ wenig Teilnehmer sind, haben wir viel Platz und weite Strecken zu laufen. Wobei der Begriff ‚Laufen’ ja fast ein wenig missverständlich ist. Ich bin überzeugt, dass die Profis tatsächlich ‚Laufen’, bei uns Fechtbabys würde ich aber lieber von ‚hoppeln’ sprechen. Ach ja. Nun gut, unser Herr und Meister lässt uns ersteinmal Schritte machen und ein paar Ausfälle, was wirklich bewältigbar ist. Nur, dann erinnert er sich daran, dass wir ja auch Springen können, wobei ‚Können’ soviel bedeutet wie ‚Ja, haben wir mal irgendwo gesehen’. Das endet bei mir natürlich mal wieder mit einem Knoten in den Beinen, aber ich breche mir keine Knochen, was ich als erheblichen Fortschritt bewerte.
Nach dem üblichen Akt des ‚Quetschen wir uns in die Ausrüstung’ geht es dann auf die Bahn. Tja…Und dann floss Blut. Ja, ernsthaft! Gleich im ersten Gefecht erwischt es mich. Mal abgesehen davon, dass es ein tolles und sehr spannendes ( weil einigermaßen ausgeglichenes ) Gefecht ist, erwischt es mich an der Hüfte und dem Oberarm – jaja, mal wieder. Die blauen Flecken der letzten Wochen sind noch nicht mal verheilt, da sorge ich schon für ausreichend Nachschub. Vorrausplanen nennt man das, oder etwa nicht?! Ich weiß nicht, wie es passiert ( wirklich nicht ), aber durch die Schutzweste hindurch schürft mir der gegnerische Degen die Ellenbogenkuhle auf. Das ist wohl mein besonderes Talent, was das möglich macht. Hrmpf. Mal abgesehen davon, dass es unangenehm ist, weil es brennt, sehe ich jetzt aus wie ein Heroin-Junkie, mit lauter blauen Einstichwunden am Arm. Ich sollte die kurzen Oberteile in nächster Zeit wohl im Schrank lassen…Aber ich bin ja mittlerweile sehr erfahren mit so etwas, in meiner Tasche sind Pflaster, Verband und Kühlpack – benutzen tue ich es natürlich nicht, man hat ja seinen Stolz, dafür jammere ich lieber eine Runde und murmele das Wort ‚Körperverletzung’ vor mich hin. Das Mitleid hält sich nur leider in Grenzen, zwei Mitfechter rollen ihre Ärmel hoch und beweisen, dass es auch noch schlimmer geht. Irgendwie finde ich das nicht beruhigend! Gar nicht beruhigend!
…wird später fortgesetzt…
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Ja, ganz recht: Es hat dieses Mal ein bißchen länger gedauert, den wöchentlichen Fechtbericht zu schreiben. Dafür gibt es aber einen sehr guten Grund: Nachdem ich mir letzte Woche das linke Handgelenk gestaucht habe (ich bin gegen die Wand gelaufen…) , ist diese Woche mein rechter (Schreib-)Arm in seiner Bewegung eingeschränkt. Ganz genau, es handelt sich um eine Sportverletzung. Wie es dazu gekommen ist? Also, das war so:
Mal wieder Donnerstag, mal wieder Fechten. Es ist mittlerweile der 10te Termin. Wir haben also schon weit mehr als die Hälfte der Termine überlebt. Ich finde im Übrigen, das ist ein sehr gutes Zeichen und ein aufmunternder Gedanke.
Heute wird zur Abwechslung mal nicht Fangen gespielt. Nein, heute dürfen wir uns mit einem Volleyball abschießen. Mit einem VOLLEYBALL. Abschießen. HILFE! Ich habe zunächst aber Glück, die ersten fünf Minuten laufe ich dem Ball erfolgreich aus dem Weg. Scheint, als würde das mit dem ‘Ich mache mich unsichtbar’ langsam funktionieren. Nur nicht beim Herrn und Meister, der verkündet: “Sara ist noch gar nicht getroffen worden”. Tja, damit ist es vorbei mit unauffälligem ‘Aus dem Weg laufen’ und die Bälle fliegen aus allen Richtungen auf mich zu. Autsch. Aua. AUA! – Ich frage mich ernsthaft, warum ich ihm jemals meinen Namen gesagt habe und nicht einfach jede Woche einen neuen erfunden habe. Manchmal bin ich wirklich grenzenlos kurzsichtig.
Anschließend machen wir Beinarbeit. Wie jedes Mal. Unglaublich, aber nach so wenigen Terminen habe ich das Muster durchschaut! Aufwärmen, Beinarbeit, Erstechen. Ach ja, und Schmerzen am nächsten Tag. Nun gut, wir wiederholen die Übung der letzten Woche. Keinerlei Veränderungen, meine Koordination ist noch immer überfordert. Beschließe, meine seltsamen Verrenkungen in Zukunft einfach als Unterhaltungs-Dienst an der Allgemeinheit zu betrachten.
Optimistisch machen wir uns daraufhin ans Freifechten. Und ab diesem Moment wird es schmerzhaft. Denn ich erwische einen Gegner, der es in sich hat. Irgendetwas an dem Hinweis ‘Ich bin Anfänger’ entgeht ihm – oder gerade deswegen geht er auf mich los wie ein verhungernder Kannibale. Nicht nur, dass er mich trifft. Daran bin ich als einer der wenigen Anfänger unter lauter Amateuren und Profis ja gewohnt, dass ich getroffen werde. Nur haben die anderen Fechter netterweise darauf verzichtet, ihren Vorteil bzw ihr Können an mir zu demonstrieren. Dieser nicht. Es fühlt sich an, als würde er versuchen, den Degen durch mich durchzustechen. Und natürlich sticht er nicht auf den Brustschutz oder die Oberschenkel, wo die Schmerzen sich in Grenzen halten, sondern gegen mein Schlüsselbein, zwischen Fechtweste und Maske, in die Ellenbogenkuhle, den Oberarm und nochmal das Schlüsselbein. Somit steht es fünf heftige blaue Flecken gegen keine und er verabschiedet sich brüsk. Es kostet mich einiges an Beherrschung, ihm nicht im Vorbeigehen in deutlichen Worten zu erzählen, was ich davon halte, mich als Punching-Bag zu benutzen! Ich bin ja wirklich nicht zimperlich, allein schon deswegen, weil ich mir meistens ganz ohne fremde Hilfe erheblich weh tue, aber: AUA!
Anschließend habe ich erneut das Vergnügen von Gruppenlektionen. Bin völlig konfus und versuche ersteinmal meine Maske falsch herum aufzusetzen. Fechtlehrer freut sich natürlich einen Keks über diese weitere komödiantische Einlage meinerseits und ich bin wirklich, wirklich versucht, den Degen nach ihm zu werfen. Da ich ihn aber eh nicht treffen würde und ihn das wahrscheinlich noch mehr belustigen würde, setze ich die Maske energisch richtig auf und versuche mich zu konzentrieren. Das klappt heute leider nur leidlich und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich noch fahriger bin, als üblicherweise. Mittlerweile pocht mein rechter Arm vor Schmerzen, aber man ist natürlich viel zu stur, um das zuzugeben und beißt lieber die Zähne zusammen.
Abschließend duelliere (schönes Wort!) ich mich noch mit meiner Mitbewohnerin. Das macht mit jedem Mal mehr Spaß, denn langsam lernen wir, mit welcher Seite des Degens wir stechen sollen
Mutiger werden wir auch, es besteht also noch Hoffnung für uns.
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