(Um vorweg mal alle zu beruhigen: Der Titel soll auf einen Trainerwechsel beim Fechten hindeuten, nicht auf die Tatsache, dass ich nach einer Verletzung heute extensive Gesichtschirugie benötige..)
Nun gut, nachdem ich wochenlang sehnsüchtig darauf gewartet habe, ist es endlich soweit: Schnee in Salzburg! Die Welt schaut aus, wie mit Puderzucker bestäubt und ich bin glücklich. Die anfängliche Begeisterung ist jedoch schnell dahin, als wir uns auf den Weg zum wöchentlichen Fechttraining machen. Bah, das Zeug ist ja nass! Binnen Sekunden sind meine Füße durchweicht und ich ertappe mich bei dem Gedanken ‚Hätte ich doch auf meine Mutter gehört! (Und ordentliche Winterschuhe gekauft). Habe ich aber nicht, und so kommen wir dreißig Minuten und zehn halb erfrorene Zehen weiter an der Fechthalle an. Da unser regulärer Herr und Meister irgendwo in der Weltgeschichte herumflattert, haben wir heute eine Vertretung. Neben ihrem Talent zur Vertretung scheint diese Person zunächst aber auch das Talent zur Unischtbarkeit zu haben und wir warten unschlüssig in der Halle.
Schließlich findet sich aber ein junger Mann, der sich als unser Trainer vorstellt und mit charmantem Lächeln Springseile verteilt. Ich bin verblüfft, wie ähnlich er in seiner Art unserem üblichen Herr und Meister ist (und das nicht nur, weil er so fröhlich beim Verteilen von Folterinstrumenten lächeln kann!) – gibt es ein Fechtlehrer-Gen?
Gut, da kann ich just in dem Moment aber nicht darüber nachdenken, denn wir springen Seil. Ach ja. Zunächst alles ganz harmlos, wir dürfen springen wie wir möchten. In meinem Fall bedeutet das vorwärts, rückwärts und abwechselnd auf einem Bein. Solange mir niemand vorgibt, wie ich springen soll, geht das auch eigentlich ganz gut, denn ich kann immer das zweite Bein unauffällig hinzunehmen, wenn ich mal wieder von dem Einen kippe, auf dem ich eigentlich zu springen versuche. Wobei ich mich frage, was am Seilspringen so anstrengend ist, dass ich nach etwa 5 Minuten keuche wie ein Nilpferd nach dem Sprinten. Uff.
Ebenfalls eine verblüffende Ähnlichkeit zu unserem anderen Trainer: Das Einzelspringen ist noch nicht das Ende vom Lied. Schlimmer geht eben immer. Unauffällig hat er einige kurze Seile zu einem langen verknotet und fordert uns zu einer Reise in die frühe Schulzeit auf. Durchlaufen, Reinhüpfen, mehrmals Hüpfen und so weiter. Ich bin ernsthaft versucht, den alten Kinderreim ‚Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden, wie viele Kinder… und so weiter’ aufzusagen, lasse es dann aber lieber, ich muss mich nämlich darauf konzentrieren, dass mir das Seil nicht um die Ohren fliegt. Und damit uns auch ja nicht langweilig wird, kommt dann gleich noch ein zweites dazu und es wird wirklich konfus. Denn wie soll man da durchlaufen ohne in die Seile zu laufen oder sich eines der beiden um die Ohren zu schlagen?! Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: Obwohl wir alle an der Durchführung verzweifeln, gibt es viel Gelächter und interessante Variationen der ‚einfach mal durchlaufen’-Technik, sodass es eines der lustigsten Aufwärmspiele wird, die wir bisher gespielt haben.
Anschließend steht Dehnen auf dem Programm. Unser Ersatztrainer nimmt es locker und wir bekommen sogar Musik dazu. Dann geht es motiviert in die Beinarbeit. Also, zumindest der Herr und Meister ist motiviert – wir sind eher skeptisch. Zunächst einmal die üblichen Schritte und Ausfälle. Wir wechseln dann heute zur Abwechslung einmal die Seite, was in meinem Fall bedeutet, ich drehe auf die linke Seite. Stelle verblüfft fest, dass ich so viel bessere Fechtschritte machen kann. Na prima, das passt ganz super, dumm nur, dass ich den Degen mit links nicht halten kann. Einer dieser Momente, in denen man sich dann doch fragt, ob manche der Medikamente, die man als Kind bekommen hat, wirklich unschädlich waren?
Anschließend kommt der Fechtwalzer. Der was? Genau, der Fechtwalzer. A-ha. Zum Glück erklärt unser Ersatztrainer das dann nochmal. So etwas mit Drehen. Ach ja, genau. Soso. Wie drehen? Netter Weise erklärt er uns auch das, schade nur, dass wir aus dem System nicht ganz schlau werden. Andererseits, ich kann ja nicht mal den normalen Walzer, von daher hält sich meine Überraschung darüber in Grenzen. Immerhin hat es komödiantischen Wert, was wir da fabrizieren und unser Ersatztrainer nimmt unsere Schwierigkeiten mit Humor.
Nachdem wir den Walzer (oder so ähnlich) beendet haben, geht es ans Freifechten. Das fällt relativ unspektakulär aus heute, zum einen sind wir wenig Trainierende, weswegen wir viel Platz haben und meine Mitfechterin ist vorsichtig, um mich nicht wieder so arg zuzurichten wie beim letzten Mal. Zudem konzentrieren wir uns ( ja, wirklich! ) darauf, einmal langsam zu kämpfen und die Dinge auszuprobieren, die unser Herr und Meister uns beizubringen versucht hat.
Das Highlight des Abends kommt dann zum Schluss – unser Ersatztrainer duelliert sich mit einem Fechtkollegen. Ich würde das ja wirklich gerne in Worte fassen, aber: Wow. Er springt und sticht und hopst und ich kann es nicht beschreiben, aber es ist genial anzusehen. Da macht allein schon das Zusehen Spaß. Sein Gegner möchte ich allerdings nicht sein, wirklich nicht!
Das wirklich lustige Training schließen wir dann in netter Runde bei einem Bier ab, ich liefere mir noch eine Schneeballschlacht mit einer Freundin vor der Halle und dann heißt es auch schon ‚Alles Gute, fröhliche Weihnachen und bis nächstes Jahr’!