Es ist ja bekanntlich eines der Naturgesetze, dass man umso später zu einem Termin kommt, je näher man daran wohnt – denn ‚das ist ja gleich um die Ecke’. Und, obwohl wir dieses Gesetz aus leidiger Erfahrung kennen, fallen wir doch wieder darauf herein. 15min vor Beginn fällt uns auf, dass wir uns langsam mal auf den Weg zum Fechtzentrum machen sollten. Da wir nicht gänzlich unschlau sind, wissen wir natürlich schon, dass es mal wieder eng wird, aber ‚mit der grünen Ampelwelle geht sich das noch locker aus!’. Jaja. Nach der grünen Welle halten wir aber vergeblich Ausschau – wir erwischen stattdessen die rote. Jede einzelne Ampel leuchtet fröhlich hellrot, sobald wir in Sichtweise kommen. Ob das an uns liegt? Egal, wir kommen jedenfalls zu spät. Mal wieder, ich weiß.
Macht aber auch nichts, die wenigen Leute, die dort sind, sind noch dabei, ihr Turnier nächstes Wochenende zu besprechen. Wir schleichen uns also unauffällig rein und tun einfach mal so, als hätten wir die ganze Zeit schon gewartet, wann es denn endlich losgeht.
Das geht es dann auch relativ schnell. Da unser üblicher Herr und Meister nicht da ist, haben wir wieder unseren netten Ersatztrainer, der uns zum Aufwärmen Runden laufen lässt. Bevor ich mich darüber aber zu sehr freuen kann, ruft er vergnügt in die Menge: ‚Und dann spielen wir ein Spiel!’. Bin versucht zu protestieren, dass mir schon wirklich, wirklich warm genug ist, aber er schaut so motiviert, dass ich das lieber lasse. Wenige Minuten später denke ich mir dann aber ‚hätte ich’s mal getan’, denn er eröffnet uns mit einem strahlenden Lächeln, dass wir Krabbelfußball spielen. Krabbel-was? Wie Fußball, nur auf dem Rücken auf allen Vieren. Hilfe! Ich kann ja noch nicht mal regulären Fußball spielen!
Im Endeffekt stellt es sich dann aber als Riesenspaß heraus und als das perfekte Spiel für mich: Der Ball ist riesengroß, sodass ich ihn tatsächlich auch treffe und weich ( sehr vorteilhaft, wenn man immer diejenige ist, der die Bälle gerne mal ins Gesicht fliegen..), niemand wundert sich, warum ich so langsam bin ( in der Position ist Tempo nämlich ziemlich bis ganz unmöglich ) und überhaupt liegen wir eigentlich die meiste Zeit lachend am Boden. Gut, wirklich viele Tore bekommen wir nicht hin, dafür aber ganz viele Muskeln überall, behauptet zumindest unser Trainer, der aus dem Lachen auch nicht mehr rauskommt. Leider vergisst er darüber aber nicht seinen ursprünglichen Trainingsplan und scheut uns los zur Beinarbeit.
Während ich noch versuche, mich zu erinnern, wie das ging, sind wir auch schon mittendrin. Und vorwärts und rückwärts und Ausfall und schnell und langsam und ich schwöre, ich werde nie wieder so lange Pause machen wie jetzt über die Ferien – und wenn ich zuhause heimlich auf dem Rasen üben muss! Während ich noch überlege, wie ich den Knoten in meinen Beinen wieder löse, hopst unser Trainer vor uns und erklärt die nächste Übung. Theoretisch ja eine ganz einfache Sache: Wenn er wegläuft, laufen wir hinterher, wenn er auf uns zuläuft, laufen wir weg und wenn er den Arm fall lässt, machen wir einen Ausfall. Theoretisch. Die Praxis sieht dann ein bißchen anders aus, ungefähr so, dass er uns anschaut, anfängt zu lachen und tröstend sagt ‚versucht’s einfach so gut es eben geht’. Machen wir dann auch ganz artig, zwar mit (viel) mehr Begeisterung als Können (sehr viel mehr), aber es ist trotzdem lustig und beim dritten Versuch klappt es annähernd. Anscheinend schauen wir aber alle so geschafft aus, dass er uns anschließend fragt, ob es uns nicht zu viel war. Aber obwohl wir wahrscheinlich alle am liebsten laut ‚Ja!’ schreien würden, winken wir ganz lässig ab. Zwar mit letzter Kraft, aber man hat ja seinen Stolz..
Dann ziehen wir uns um und machen uns (nachdem ich ersteinmal eine zu kleine Hose angezogen habe und mich umziehen musste, den falschen Helm ausgetauscht und die Kabel sortiert habe) ans Freifechten. Zu meiner Überraschung bin ich heute ausnahmsweise mal nicht diejenige, die niedergestochen wird, sondern mache mich ganz passabel. Ich setze nämlich auf die Lawinen-Technik. Wie das geht? Einfach verdrängen, dass man nicht die geringste Ahnung hat, was man da eigentlich tut und voller Überzeugung losstürmen, dann sind die anderen nämlich so verdutzt, dass sie geschockt fast regungslos stehenbleiben und man sie erstechen kann. Gut, das hat auch einen klitzekleinen Haken, nämlich wenn sie sich doch wehren – dann läuft man äußerst schwungvoll in den gegnerischen Degen und das ist nicht so zu empfehlen.
Nach vier Gefechten beenden wir den Abend dann müde, aber fröhlich. Trotz der jetzt schon schmerzenden Muskeln bleiben wir aber noch auf ein Bier und unterhalten uns vergnügt eine Weile, bevor wir nach Hause zurückfahren (und dort nach dem Duschen sofort schlafen gehen, weil nämlich keiner mehr Kraft hat zum Essen / Lesen / Fernsehen
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ha, krebsfußball heißt das bei uns, das hat frau schwaabe auch gerne gemacht
aber ich bin ja doch echt froh, dass du immer noch lebst und mit vergnügen andre leute abstichst! solang ich net dran glauben muss^^
kussi