Wie schnell die Zeit doch immer vergeht – ehe man sich versieht, sind vier Monate vergangen und man ist auf dem Weg zum letzten Fechttraining des Semesters. Wohlbemerkt bin ich alleine auf dem Weg – meine lieben Kolleginnen sind entweder krank, unmotiviert oder allgemein verhindert. Also gehe ich alleine. Immerhin ist es die letzte Gelegenheit und wir sind ja auch alle keine 13 mehr und fürchten uns vor einer Horde Menschen mit Degen in der Hand, nicht wahr? Gut, vielleicht schon, aber nur weil dem so ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man das auch zugeben würde. Während ich also von roter Ampel zu roter Ampel rolle, kann ich mich trotzdem nicht davon abzuhalten, leise Stoßgebete zu murmeln, dass bitte, bitte noch andere Anfänger dort sind.
Tatsächlich sind wir heute auch viele Teilnehmer, die ich zum Teil zwar noch nie gesehen habe, aber das könnte auch an meinem miesen Gedächtnis liegen. Das noch nicht so mies ist, wie das von unserem Trainer. Nach nunmehr ( nur, um das nochmal zu betonen! ) 4 Monaten, begrüßt er mich fröhlich mit ‚Hallo Sophie’ und stellt mir genau dieselbe Frage, wie bereits die letzten drei Male. Ich finde das nicht sonderlich fair – denn immer, wenn es um irgendwelche unangenehmen Dinge geht (zB die Frage, wer denn jetzt beim Fangen den Fänger mimt), fällt mein Name ihm doch wieder ein! Kann man aber anscheinend auch nichts gegen machen, ich korrigiere ihn freundlich und das auch knappe fünf Minuten später dann gleich nochmal.
Hatte ich zunächst erwartet, heute wird es besonders lustig, weil es ja das letzte Mal ist, stelle ich schnell fest, dass ich mich geirrt habe: Wir spielen kein Fangen! Und auch kein Abwerfen, Seilspringen oder Krabbelfußball! Stattdessen müssen wir uns in Dreierreihen aufstellen und auf verschiedene Arten die Fechtbahnen runterlaufen. Gut, ich gebe ja zu, normaler Weise kann ich mich für die Aufwärmspiele wenig begeistern und normaler Weise tue ich mir dabei auf irgendeine (selbstverschuldete…) Art weh, aber so ganz ohne die Spiele ist es einfach nicht dasselbe. Die Bahn runterlaufen macht nämlich gar keinen Spaß und da unser Herr und Meister lauter komische Verdrehungen erfindet, die man währenddessen machen kann, komme ich mir anschließend vor wie einer dieser Makramee-Knoten. Zwischenzeitlich lernen wir dann gleich auch noch etwas ganz neues – einen Flash. Einen was? Flash. Ach so. Okay. Die einzige Aktion, bei der der hintere Fuß vorne sein darf. Uhm, okay, ich versuche das dann mal. Klappt auch gar nicht so schlecht, nur dumm, dass ich anschließend in den Freigefechten ständig den falschen Fuß vorne habe – mein Kopf kann das noch nicht ganz sortieren, wann welcher Fuß wo stehen darf. Aber gut, das bringt wenigstens etwas Abwechslung hinein ( und mir jede Menge Gegentreffer, aber das ist ja nicht außergewöhnlich ).
In den Freigefechten klappt es dieses Mal auch ganz gut, was allerdings nicht an einem Lernfortschritt meinerseits liegt, sondern vielmehr daran, dass mein Degen kaputt ist. Beim geringsten Widerstand löst er einen Treffer aus. Dumm nur, dass meine Gegner das ganz schnell mitbekommen und ich ihn reparieren lassen muss. Zum Glück ist der Herr und Meister in der Nähe und übernimmt das fachmännisch. Es wäre wohl zu einfach gewesen, den Degen schnell auszuwechseln. Also stehe ich angekabelt in der Gegend herum ( Nein, das ist gar nicht ungemütlich in dem verschwitzten Zeug ) und beobachte, wie unser Herr und Meister sein technisches Verständnis demonstriert. Es wäre wohl einfach zu profan gewesen, den Degen einmal mit Schwung auf den Boden zu schlagen und ihn damit wieder zum funktionieren zu bringen. Wie gut, dass es Männer gibt!
Zehn Minuten später muss ich den Degen dann aber doch wechseln, weil er schon wieder kaputt ist. Nicht, dass es mich stören würde, mit energischem Wedeln in der Luft bereits einen Treffer auszulösen, aber irgendwie finden meine Gegner das gar nicht witzig – warum nur?
Aber auch mit funktionierendem Degen schlage ich mich gar nicht schlecht, meine Mitfechter haben sich an meinen neuen Enthusiasmus noch nicht gewöhnt. Außer einem ca. 12jährigen, der mich dann doch nach allen Regeln der Kunst ersticht. Ich nehme es mit Humor, immerhin zieren meinen Arm jetzt mehrere leuchtend blaue Beweise, dass ich sportlich bin. Außerdem habe ich dann etwas, an dem ich nächstes Semester weiterarbeiten kann – und wer weiß, vielleicht lerne ich in der Zwischenzeit ein Mindestmaß an Körperkoordination? Man soll die Hoffnung ja bekanntlich nie aufgeben!
komisch… bei mir hatte gestern die Gegnerinn nichts dagegen als mein Degen die Spitze verlor und somit keine Treffer mehr anzeigte.
hehe,
du solltest das als kompliment betrachten, wenn sie sich darüber freut – vielleicht ja, weil sie sonst einfach keine chance gegen dich hätte?
ich glaube sie hatte sich schon bisschen über den vorsprung gefreut und war dann auch wahrscheinlich auch ein bisschen enttäuscht als ich nach dem auswechseln der waffe aufgeholt habe.
jedenfalls schaue ich schon darauf bei wenig geübten fechtern oder eben anfänger, schön zu fechten und nicht aggressiv anzugreifen. es soll ja spass machen!
aggressiv fechten kann ich noch genügend bei denen die mich in grund und boden hauen und davon gibts auch genug.
Oh, schade ich lese die Berichte doch so gerne. Welche Sportart kommt denn dann.